Vortrag über die Schulter im Therapiezentrum Dr. Erich Blöchinger in Vilsbiburg

 

Vortrag - Die Schulter

 

 

v.r.n.l.: Schulterspezialist Priv.-Doz. Dr. Dr. Max Kääb,  Inhaber des Therapiezentrum Dr. Erich Blöchinger

 

Der im Sporthopaedicum in Straubing niedergelassene Orthopäde, Chirurg  und Schulterspezialist  Priv.-Doz. Dr. Dr. Max Kääb war zu Gast im Therapiezentrum. Zusammen mit dem Sportwissenschaftler Dr. Erich Blöchinger wurde über die Möglichkeiten bei Beschwerden an der Schulter aus ärztlicher und therapeutischer Sicht berichtet. Es wurden die Diagnose, die Ursachen, Schadensbilder und die Therapie vorgestellt.

Zu 90 Prozent ist das sogenannte „Impingementsyndrom“ Ursache für Beschwerden an der Schulter. Durch mechanische und strukturelle Einengungen bestehen zum Teil sehr schmerzhafte Beschwerden vor allem beim Nachobenheben des Armes. Verantwortlich sind meistens Entzündung der Sehnen und Schleimbeutel unter dem relativ engen Schulterdach.

Anhand von Originalaufnahmen zeigte der Privatdozent operative Methoden und Verfahren auf, wobei man einen hautnahen Einblick in die innen liegende Strukturen wie u. a. Nerven, Sehnen und Weichteile bekam. Auch einige Bild gebende Verfahren wie z.B. Röntgen- und Kernspintomographiebilder kamen als Anschauungsmaterial zum Einsatz und machten Ergebnisse operativer Verfahren deutlich. Die Bilder „aus der Röhre“ helfen am besten bei der Diagnose, erzeugen jedoch Kosten von 200 – 400 Euro. Leider haben 2/3 so eine schlechte Qualität, dass sie noch einmal gemacht werden müssten. Aufnahmen ohne Kontrastmittel sind unsinnig. Der Schwerpunkt der Therapie liegt bei Physiotherapeutischem Maßnahmen, wie Manuelle Therapie, Krankengymnastik etc. Erst wenn die Beschwerden über 6 Monate andauern, sollte über eine Operation nachgedacht werden. Dr. Kääb sprach über die modernen operativen Verfahren, die zu 90 % arthroskopische („Schlüsselloch-Technik“) durchgeführt wird. Es handelt sich oftmals nur um kleine Eingriffe, die jedoch große Wirkung zeigen können. Der Referent wies darauf hin,  dass es wichtig ist, Operationen an der Schulter von spezialisierten Schulterchirurgen durchführen zu lassen. Laut einer Studie an der Charite´ Berlin, wo er als Oberarzt tätig war, sind dort ca. 95 Prozent der Patienten durch die Arthroskopie dauerhaft schmerzfrei geworden.

Ein wesentlich schnelleres Vorgehen ist bei den Rissen an den Sehnen der möglichst  schnell wieder vernäht werden. Ziehen sich die Sehnen durch zu langes Warten  zurück, wird eine operative Zusammenführung  immer schwieriger. Nur bei großen Rissen (Massenrupturen) wird von modernen Operateuren offene Operationen angewandt. 90 Prozent der Rupturen sind nicht durch Unfälle, sondern durch allmähliches Abschaben, Verschleiß bedingt. Die allmählichen Teilrisse führen in der Regel zu immer größeren Defekten.

Ein konservatives Vorgehen (Therapie ohne OP, Physiotherapie etc.) hat ihre größte Berechtigung bei langsamen Beginn der Abnutzung, bei geringen Ansprüchen an die Schulter und bei hohem Alter. Bei schwerem Verschleiß und starken Schmerzen kann eine Ersatzprothese notwendig werden. Diese ist  im Gegensatz zu Hüfte  und Knie viel seltener notwendig ist. Leider werden 80 Prozent der Schulterprothesen von Ärzten gemacht, die das nur selten (3 -5x im Jahr) durchführen. Besser ist es zu Spezialisten zu gehen, die das viel häufiger machen. Teilprothesen (Kopfersatzprothesen) werden immer mehr v.a. bei Jüngeren Patienten eingesetzt. Die Effektivität anderer Verfahren wie das Spritzen von Hyaluronsäure, Stoßwelle, Knorpelverpflanzung wird durch keine Studie belegt. Auch das Spritzen von Schmerzmitteln sollte nicht zu häufig gemacht werden, höchstens 1 bis 2 mal. Die Schmerzen haben Ursachen, die therapiert werden sollten. Es gibt nicht deshalb Probleme, weil ein Gelenk zu wenig gespritzt wurde. Viel mehr entstehen durch Spritzen zusätzliche Risiken (Infektionsgefahr etc.). Bei der Nachbehandlung nach Operationen spielt die Physiotherapie eine wichtige Rolle. So können je nach Schwere der Verletzung und nach langer Ruhigstellung Einschränkungen in  der Beweglichkeit und in der Kraft entstehen. Als vor allem Muskulär geführtes Gelenk mit großem Bewegungsausmaß und Gelenkkapsel reagiert die Schulter auf Bewegungsmangel sehr empfindlich, erklärte Dr. Blöchinger. Ähnlich wie beim Rücken spielt die Verbesserung der Muskulatur eine entscheidende Rolle, die für die Aufrichtung der Wirbelsäule bzw. aufrechte Haltung, wichtig ist. Das Training der Muskulatur, die für Rotation und das Heranführen des Armes zum Körper (Adduktion) verantwortlich sind, entlasten sogar das Schultergelenk. Entsprechende Ausführung zur Ursache und Therapie bekamen die zahlreichen Besucher mit nach Hause. Anschließend wurden die zahlreichen Fragen der über 80 Gäste beantwortet.

 



 
 
 
 
 
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